Eine unvergessliche Stimmung


„Wir harmonieren, als würden wir uns schon ewig kennen. Lasst uns diese Geschwisterlichkeit nach außen tragen, gebt 200 Prozent und zeigt euch von eurer besten Seite!“ Baraa Khair motiviert als Eventleiter ein letztes Mal sein NourEnergy-Team und die freiwilligen Catering- Helfer. Konzentriert und gleichzeitig mit Esprit und vor Freude strahlenden Augen, stehen die jungen Muslime im Kreis im Justus-Liebig-Haus. Endlich ist der Tag da, auf den sie alle neun Monate so intensiv hingearbeitet haben. In wenigen Minuten werden sich die Türen der Veranstaltungsstätte in Darmstadt für rund 130 Teilnehmer öffnen. Darunter Muslime und Nichtmuslime, Deutsche und Gäste aus der Schweiz, aus Marokko, Frankreich, Finnland und aus dem gesamten Bundesgebiet. Ingenieure, Theologen, Professoren, Umweltschützer und zahlreiche Ehrenamtliche und Studenten wollen teilhaben an der Fachtagung: „Muslime aktiv für Natur und Gesellschaft“.

Viele der Zuhörer, die sich kurz nach Anmeldung im Saal zur Begrüßung, Koranrezitation und einem bildhaften Rückblick auf „Fünf Jahre NourEnergy e.V.“ setzen, haben sich am Vorabend bereits einen eindrucksvollen Eröffnungsvortrag von Dr. Abdurrahman Reidegeld mit dem Titel „Der Mensch – ein Spiegel seiner Umwelt“ in der TU Darmstadt angehört. Die Ansage des Islamwissenschaftlers und Malailogen, der zwei Stunden ohne Skript begeistert hatte: „Habt Visionen, aber denkt ganzheitlich, wenn ihr eure Umwelt ändern wollt.“
Nun bekommen die Interessierten einen gesamten Tag den vielfältigsten Input rund um Nachhaltigkeit, Ressourcennutzung und Engagement für die Natur. Darunter Vorträge von Dr. Ali Özgür Özdil aus Hamburg zum Thema muslimisches Umweltbewusstsein, von Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl zur ökologischen Herausforderung der Menschheit im 21. Jahrhundert und von Mohammed Adam über den Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit. Projekte, wie „Faire Moschee“ (FSI Forum für soziale Innovation gGmbH), „Worldwide Climate Change Policy“ (Islamic Relief e.V.) oder „Green up my Community“ (Hima e.V.) laden zum direkten Mitwirken ein. Unter der lebendigen Moderation von Zaid el Mogaddedi kommt auch die regelmäßige Fragerunde im Plenum nicht zu kurz. Selbst wenn das knapp bemessene Timing an der Stelle Grenzen setzt – es gibt zwischenzeitlich immer wieder Raum bei Snacks, Kaffee und Biosäften, gesponsert von „froods“, zu netzwerken. Im Aulavorraum laden den ganzen Tag begleitend Organisationen, wie „Islamic Relief“, „Al-Balsam“, „Sieben Ähren“, „Salam“ und „Zahnräder Netzwerk“ zum Austausch an ihre Stände ein. Einzigartig in Deutschland war auch die Teilnahme des Unani-Instituts, das sich für eine seit über Jahrtausenden bewährte Medizin einsetzt, bei der die Analyse der diversen Umwelteinflüsse auf den menschlichen Körper eine zentrale Rolle zur Herstellung der Gesundheit spielt. Zu den Vertretern dieser Medizin gelten z.B. Hippokrates, Ibn Sina (lat. Avicenna). Dank eines reichhaltigen Mittagessens und Gemeinschaftsgebeten können Leib und Seele auftanken. NourEnergy Vorsitzender Tanju Doganay ist glücklich: „Es freut mich, dass sich Muslime den gemeinsamen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen proaktiv stellen und Verantwortung übernehmen. Sie wollen der Gesellschaft Lösungsansätze bieten und selber ein Teil der Lösung sein. Umso schöner ist es, dass wir diesen Menschen mit dieser Tagung eine liebevolle und friedliche Atmosphäre bieten, um sich kennenzulernen und um wertvolle Ideen auszutauschen. Unser Dank geht darum besonders an die Robert-Bosch-Stiftung, die uns diesen Tag finanziell möglich gemacht hat.“

Das Projekt, mit dem Marokko bis 2019 bis zu 600  marokkanische Moscheen mit Solaranlagen versorgen und insgesamt energetisch modernisieren will, wurde durch das marokkanische Energieministerium vorgestellt. Besonders bereicherte die Delegation aus Marokko, mit Vertretern des Energieministeriums, die Tagung in Darmstadt. Sie war von den vielen jungen, engagierten Muslimen auf der Tagung überwältigt und gratulierten NourEnergy e.V. für die vorbildliche Arbeit und Organisation der Fachtagung.
Zum Abend hin sind Köpfe, Herzen und Gedanken bereits voll mit neuen Investitions- und Kooperationsideen. In einer abschließenden Podiumsdiskussion nehmen der Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, Dr. Hubert Meisinger, und die Gründerin des Vereins „Yesil Cember“, Gülcan Nitsch, platz auf der Bühne. Gemeinsam mit dem 29-Jährigen NourEnergy-Gründer Doganay und Senay Altintas, aus dem Vorstand der Emirsultan Moschee in Darmstadt, sprechen sie über Defizite in der Unterstützung durch große Verbände, über Erfolgsarbeiten und gemeinsame Zukunftsprojekte. Sie sind sich einig: Vor allem interreligiös können wir für unsere Umwelt Großes bewirken und das wollen wir ab sofort noch viel stärker tun. Mit Gottes Hilfe!

Dann naht der Abschied, der mit einem hochachtungsvollen Applaus für Najima El H. beginnt, die den ganzen Tag nahezu jedes Wort in Gebärdensprache übersetzt hat. Zufriedene Gäste haben sich immer wieder für eine „großartig gelungene“ Veranstaltung bedankt. Zum Abschluss gibt es Umarmungen und handgemachte, nachhaltige Geschenke für alle Referenten und Moderator el Mogaddedi. Gerührt steht Co-Eventleiterin Esra Polat aus Hamburg auf der Bühne: „Wir haben die Tagung nur über E-Mails und Telefonkonferenzen organisiert. Aber die Harmonie untereinander, die Herzlichkeit und die Intention für Umwelt und Gesellschaft einen positiven Beitrag zu leisten, haben für eine unvergessliche Stimmung gesorgt. Ich bin sehr stolz auf euch alle! Es ist nicht selbstverständlich, seine vom Studium, Arbeit und Schule übrig bleibende Zeit in die Organisation dieser Tagung zusetzen. Das schätze ich hoch. Vielen Dank für diese einzigartige Veranstaltung.“

*Alle Bildrechte liegen bei NourEnergy e.V.